Ferienworkshop ``Street Literature``
In der ersten Woche der hessischen Sommerferien, vom 7. bis 11. Juli 2025, fand der Ferienworkshop Street Literature statt, ein kreatives, interkulturelles Projekt, das Jugendlichen zwischen 9 und 23 Jahren die Möglichkeit bot, sich literarisch, gestalterisch und gesellschaftlich auszudrücken. Täglich nahmen bis zu 40 Jugendliche, insgesamt etwa 50 Teilnehmende, an dem Workshop teil. Sie brachten unterschiedliche Perspektiven und Lebenserfahrungen mit. Ihre Herkunftsländer umfassten Rumänien, Afghanistan, Iran, Syrien, Irak, Ukraine, Deutschland, Tansania, Eritrea, Pakistan, Somalia, Südafrika, Kosovo und Türkei. Ein besonderes Merkmal des Projekts war die altersübergreifende Teilnahme. Die jüngeren Teilnehmenden im Alter von 9 bis 11 Jahren waren Geschwisterkinder. Ihre Einbindung ermöglichte es den älteren Geschwistern erst, überhaupt durchgängig am Workshop teilzunehmen. Diese familiäre Offenheit trug wesentlich zum Gelingen und zur vertrauensvollen Atmosphäre des Projekts bei. Der Workshop war in mehrere Arbeitsstationen gegliedert, zwischen denen die Jugendlichen je nach Interesse und Fähigkeit wechseln konnten:
Nähstation
Hier wurden die Banner final zusammengenäht. Es standen vier Nähmaschinen zur Verfügung, die überwiegend von männlichen Teilnehmenden genutzt wurden. Präzision, Geduld und handwerkliches Geschick waren hier gefragt und wurden mit sichtbarem Stolz eingesetzt.
Druckstation
Die Zitate wurden am Computer mit Photoshop gestaltet und anschließend per DTF-Verfahren (Direct to Film) mit einer Heißpresse auf den Stoff übertragen. Das Verfahren ermöglichte gestochen scharfe, haltbare Drucke. Das Medium war für viele der Jugendlichen neu, was viel Experimentierfreude hervorrief.
Designstation
Neben der digitalen Gestaltung der Zitate wurden hier auch Inhalte für die spätere Präsentation auf der Projektwebsite vorbereitet. Die Jugendlichen beschäftigten sich mit Struktur, Gestaltung und ersten Textbausteinen für die digitale Weiterführung des Projekts.
Audiostation
Ausgewählte Zitate wurden von den Jugendlichen eingesprochen und aufgenommen. Die entstandenen Audiodateien geben den Texten eine zusätzliche Dimension und sollen perspektivisch in die digitale Präsentation integriert werden. Bastelstationen: Hier entstanden kreative Postkarten und Collagen, die literarische Inhalte mit künstlerischem Ausdruck verbanden und das Projekt in kleinformatigen Arbeiten ergänzten.
Begleitet wurde die kreative Arbeit von Bewegungsmöglichkeiten wie Volleyball, Fußball und Badminton. Diese sorgten für Ausgleich, förderten Teamgeist und halfen, neue Kontakte zu knüpfen. Das gemeinsame Mittagessen war ein fester Bestandteil jedes Tages und bot Gelegenheit für Austausch, Ruhe und Begegnung. Kaffee, Kuchen und Snacks standen durchgehend zur Verfügung und trugen zu einer entspannten und selbstbestimmten Atmosphäre bei. Eine interessante Beobachtung am Rande: Über die gesamte Woche hinweg spielte das Smartphone für viele Jugendliche eine deutlich geringere Rolle als sonst. Der intensive Austausch, die gestalterischen Aufgaben und die hohe Selbstbeteiligung führten dazu, dass sich das Medienverhalten spürbar veränderte. Schätzungsweise konnten in der Workshopwoche über 1000 Stunden Screentime eingespart werden, was ein starker Hinweis darauf ist, dass sinnvolle und gemeinschaftliche Alternativangebote den digitalen Konsum ganz natürlich in den Hintergrund treten lassen. Am letzten Tag des Workshops wurden die gestalteten Banner erstmals an Bäumen auf dem Kalkwerkgelände aufgehängt. So konnten die Teilnehmenden gemeinsam einen Eindruck ihres eigenen Werks im Raum erleben. Dabei entstand spontan die Idee, die Projektergebnisse im Rahmen eines Kulturfests Ende August in Form eines literarischen Lustwandelpfads zu präsentieren. Die Zitate aus dem Workshop werden dann entlang eines Spazierwegs installiert, ergänzt durch Plakate mit Fotos, Texten und Eindrücken aus dem Workshop. Damit wird das Projekt erstmals als sichtbares Zeichen junger Perspektiven im öffentlichen Raum einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Der Ferienworkshop Street Literature zeigte deutlich, wie kulturelle Teilhabe, kreative Selbstentfaltung und soziale Begegnung zusammenspielen können. Die Jugendlichen haben eigene Perspektiven eingebracht, Verantwortung übernommen und gemeinsam ein Projekt gestaltet, das sichtbar, hörbar und spürbar in den öffentlichen Raum wirkt.













































