Vom 18. bis 21. Juni 2026 unternahm die Kulturenwerkstatt mit 21 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 23 Jahren eine Bildungsfahrt nach Berlin. Begleitet wurde die Gruppe von drei Betreuerinnen und Betreuern. Die Fahrt fand im Rahmen von „Demokratie leben!“ statt.

Im Mittelpunkt standen Demokratiebildung, Erinnerungskultur und Kulturfreiheit. Berlin bot dafür viele konkrete Lernorte: das Regierungsviertel, das Reichstagsgebäude, das Brandenburger Tor, der Bebelplatz mit dem Mahnmal zur Bücherverbrennung, die Topographie des Terrors, Berlin Global, die Ausstellung zum Alltag in der DDR sowie das Museum für Fotografie.

Die Fahrt auf einen Blick

Zeitraum
18.–21. Juni 2026

Teilnehmende
21 Jugendliche und junge Erwachsene von 16 bis 23 Jahren

Begleitung
Drei Betreuerinnen und Betreuer

Rahmen
„Demokratie leben!“

Bildungsschwerpunkte

  • Demokratie und politische Institutionen
  • Grundrechte und Meinungsfreiheit
  • Erinnerungskultur und Diktaturerfahrung
  • Kulturfreiheit und gesellschaftliche Teilhabe
  • Soziale Fragen im öffentlichen Raum

Demokratie an konkreten Orten erleben

Bereits am ersten Abend setzte sich die Gruppe mit Grundrechten, politischen Institutionen und historischen Brüchen auseinander. Der Spaziergang entlang der Spree führte durch das Regierungsviertel, vorbei am Paul-Löbe-Haus, an der Schweizer Botschaft und am Bundeskanzleramt. Ein besonderer Programmpunkt war die anschließende Besichtigung des Reichstagsgebäudes. Dadurch konnten die Jugendlichen einen zentralen Ort der parlamentarischen Demokratie unmittelbar erleben.

Der weitere Weg führte zum Brandenburger Tor, zum Pariser Platz und zum Bebelplatz. Dort besuchte die Gruppe das unterirdische Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933. Der Blick durch die Glasscheibe auf die leeren Bücherregale beeindruckte die Jugendlichen sehr. Das Mahnmal machte auf eindrückliche Weise sichtbar, welche Folgen die Verfolgung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die Unterdrückung von Meinungen und die Zerstörung kultureller Freiheit haben können. Der Besuch führte zu Gesprächen über Meinungsfreiheit, Kulturfreiheit und die Verantwortung, demokratische Rechte zu schützen.

Die Vorbereitungen zum Nationalen Veteranentag, die durch zahlreiche Absperrungen im Regierungsviertel erkennbar waren, führten zudem zu Gesprächen über die Bundeswehr, Veteraninnen und Veteranen und die Rolle staatlicher Institutionen in einer Demokratie.

Geschichte, Diktatur und Erinnerungskultur

Am Freitag standen der Checkpoint Charlie, Reste der Berliner Mauer und die Topographie des Terrors im Mittelpunkt. Dort beschäftigten sich die Jugendlichen mit Nationalsozialismus, staatlicher Gewalt, Verfolgung und den Folgen diktatorischer Herrschaft. Aufgrund der großen Hitze wurde das Programm angepasst und stärker mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchgeführt.

Am Nachmittag besuchten Teilgruppen Berlin Global beziehungsweise die Ausstellung zum Alltag in der DDR in der Kulturbrauerei. Die unterschiedlichen Perspektiven ergänzten sich: Während Berlin Global weltweite Verflechtungen, Migration und kulturelle Begegnungen sichtbar machte, vermittelte die Ausstellung in der Kulturbrauerei konkrete Einblicke in Alltag, Anpassung und Eigenständigkeit in der DDR.

Offene politische Institutionen

Am Samstag nahm die Gruppe am Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt teil. Für viele Jugendliche war dies besonders eindrucksvoll, weil politische Institutionen dadurch konkreter und zugänglicher wurden. Gespräche und Begegnungen vor Ort boten weitere Anlässe, über staatliche Aufgaben, demokratische Verantwortung und die Bundeswehr zu sprechen.

Fotografie, Kultur und soziale Wirklichkeit

Am Nachmittag besuchte die Gruppe das Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo. Im Mittelpunkt standen die Ausstellung zu den Bauhaus-Fotografinnen sowie die Dauerausstellung. Die Jugendlichen begegneten Fotografie dabei sowohl als Kunstform als auch als Mittel, gesellschaftliche Wirklichkeit zu dokumentieren und Perspektiven sichtbar zu machen.

Der Weg zum Museum führte die Gruppe zugleich mit einer anderen Seite Berlins in Berührung: Direkt im Umfeld des Bahnhofs Zoo wurde die soziale Not wohnungsloser und suchtkranker Menschen sehr sichtbar. Das löste bei vielen Jugendlichen Nachfragen aus und führte zu Gesprächen darüber, warum sich an zentralen Orten mit Hilfsangeboten, öffentlichem Raum und fehlendem Schutz besonders viele Menschen in schwierigen Lebenslagen aufhalten.

Berlin selbstständig entdecken

Am letzten Abend hatten die Jugendlichen Zeit zur freien Verfügung. Viele nutzten die Gelegenheit, Berlin selbstständig zu erkunden. Die besondere Atmosphäre in der Stadt während des Fußballspiels Deutschland gegen die Elfenbeinküste wurde für viele zu einem lebendigen Abschluss der Fahrt.

Politische und kulturelle Bildung außerhalb des Seminarraums

Die Berlinfahrt 2026 zeigte erneut, wie wichtig außerschulische Lernorte für politische und kulturelle Bildung sind. Geschichte wurde nicht nur vermittelt, sondern an konkreten Orten erfahrbar. Demokratie wurde nicht nur besprochen, sondern in Gebäuden, Symbolen, Konflikten und gesellschaftlichen Widersprüchen sichtbar.